Gedenkstätte


Gedenkstätte am Ort des früheren Kriegsgefangenen- und KZ-Auffanglagers Stalag X B Sandbostel.

Seit Ende der 1970er Jahre gibt es Bemühungen um die Aufarbeitung der Geschichte des Kriegsgefangenen- und KZ-Auffanglagers Sandbostel und um die Einrichtung einer Gedenkstätte auf dem historischen Lagergelände. Diese Bestrebungen erhielten 1992 durch Gründung des Vereins Dokumentations- und Gedenkstätte Sandbostel und 2004 durch die Gründung der Stiftung Lager Sandbostel wesentliche Impulse.

Der Stiftung wurden im Jahr 2010 Gelder für die Neugestaltung der Gedenkstätte in einer Höhe von insgesamt 1,425 Mio. Euro bewilligt. Neben der Bundesregierung beteiligen sich die niedersächsische Landesregierung, der Landkreis Rotenburg (Wümme) sowie die Hermann Reemtsma Stiftung in Hamburg an dem Projekt. Von diesem Geld sind zwei neue Dauerausstellungen in zwei eigens hierfür umgestalteten Gebäuden erarbeitet , Informationstafeln auf dem Gelände aufgestellt sowie das einmalige Ensemble noch existierender ehemaliger Unterkunftsbaracken vor dem Verfall gerettet worden.
Seit Ende 2010 arbeiteten der Historiker Dr. Jens Binnen, die Religionswissenschaftlerin Dörthe Engels und die Politologin Dr. Andrea Genest zusammen mit dem Projektleiter Andreas Ehresmann und den Stiftungsvorsitzenden Detlef Cordes an der Realisierung der Ausstellungen. Sie recherchierten in Archiven und bei Institutionen Dokumente, Zeugnisse und Objekte für die beiden Dauerausstellungen. Die wissenschaftliche Beratung des Projekts haben Dr. Klaus Volland und Werner Borgsen übernommen, die Autoren der 1991 erschienenen grundlegenden Publikation „Stalag X B Sandbostel". Die Ausstellungen wurden zum Befreiungstag 29.04.2013 auf dem früheren Lagergelände in Sandbostel eröffnet.

Die erste Dauerausstellung behandelt die Geschichte des Kriegsgefangenen- und KZ-Auffanglagers Stalag X B Sandbostel in Nordwestdeutschland. Zwischen 1939 und 1945 waren hier Hunderttausende Kriegsgefangene und Zivilinternierte aus über 55 Nationen untergebracht, die in mehr als 1100 Arbeitskommandos Zwangsarbeit leisten mussten. Im April 1945 erreichten zudem mehrere Transporte mit insgesamt rund 9.000 Häftlingen des KZ Neuengamme das Lager Sandbostel. Etwa 3.000 von ihnen starben kurz vor oder nach der Befreiung an Entkräftung, Hunger und Krankheiten.

Die zweite Ausstellung stellt die Zeit der Nachnutzung des Geländes von der Befreiung am 29. April 1945 über das Internierungslager für Angehörige der Waffen-SS C.I.C. 2 (1945-1948), das Strafgefängnis Sandbostel (1948-1952), das Notaufnahmelager für jugendliche männliche Flüchtlinge aus der DDR (1952-1960) sowie die Entstehungsgeschichte der Gedenkstätte Lager Sandbostel dar.

Derzeit ist die Gedenkstätte Lager Sandbostel Ort eines der bedeutendsten historischen Forschungsprojekte in Niedersachsen. Das Ziel aller Beteiligten ist es, die Erforschung der Geschichte des Lagers Sandbostel weiter voranzutreiben und die Erinnerung lebendig zu halten.

Auch die Besucherzahlen steigerten sich im letzten Jahr nocheinmal, von 8500 im Jahr 2011 auf 10 000 Besucher der Gedenkstätte im Jahr 2012. Viele Schulklassen und Gruppen nahmen auch an Führungen teil und aus dem Ausland kommen immer wieder Angehörige und ehemalige Kriegsgefangene in die Gedenkstätte. Die Zeugnisse ehemaliger Kriegsgefangener und KZ-Häftlinge sowie ihrer Angehörigen sind unverzichtbar für die Erforschung der Gedenkstätte. Im Stalag X B und seinen Arbeitskommandos waren während des Nationalsozialismus Menschen aus ganz Europa, Amerika, Asien, Afrika und selbst aus Ozeanien interniert; Archive und Zeugnisse lassen sich folglich in der ganzen Welt finden. In den zurückliegenden Jahren meldeten sich häufig Kinder oder Enkelkinder der Lagerinsassen, die der Gedenkstätte sehr bedeutende Unterlagen übergaben.
Viele Dokumente und Objekte befinden sich noch in Privatbesitz oder in Archiven, mit deren Hilfe man die Geschichte des Lagers und seiner Nachnutzung darstellen kann. Darum möchten wir alle noch lebenden ehemaligen Gefangenen des Lagers Sandbostel bzw. deren Angehörige sowie die deutsche Bevölkerung ermuntern, sich mit ihrer Geschichte, ihren Unterlagen, Fotos, Tagebüchern, Briefen, Zeichnungen oder Erinnerungsstücken zu Sandbostel an die Gedenkstätte zu wenden.Neben persönlichen Zeugnissen ist die Gedenkstätte Lager Sandbostel somit auch an dem Archivgut der Verbände ehemaliger Kriegsgefangener und KZ-Häftlinge, an Zeitungsberichten sowie Fotos von Gedenksteinen mit Sandbostel-Bezug in aller Welt interessiert.

Sie erreichen die Gedenkstätte Lager Sandbostel unter folgender Adresse:

Gedenkstätte Lager Sandbostel
Greftstraße 3
27446 Sandbostel
Deutschland
Tel.: 0049-4764-2254810 Fax: 0049-4764-2254819
Email: info@stiftung-lager-sandbostel.de
www.stiftung-lager-sandbostel.de

Öffnungszeiten der Gedenkstätte
Ganzjährig: Montag–Freitag 9.00–16.00 Uhr
Mai bis Oktober: an allen Sonn- und Feiertagen
Das Archiv und die Bibliothek der Gedenkstätte können
während der Öffnungszeiten nach Anmeldung genutzt werden.

Das ehemalige Lagergelände kann jederzeit besichtigt werden.

Angebote für Gruppen:
An allen Wochentagen werden von ausgebildeten Gästeführerinnen
und Gästeführern Informationsrundgänge
nach vorheriger Anmeldung durchgeführt.
Die Gedenkstätte bietet darüber hinaus Studien- und
Projekttage für Gruppen aus der Erwachsenenbildung und
für Jugendliche an.

Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite der Stiftung Lager Sandbostel
insbesondere zu Gruppenangeboten ... mehr
und für Einzelbesucher ... mehr